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X verklagt NMPA und große Verlage wegen DMCA-„Erpressung“s“

Die texanische Bundesklage wirft Rechteinhabern einen koordinierten Boykott vor, um überhöhte Lizenzgebühren durch den Einsatz von DMCA-Mitteilungen zu erzwingen.

Trevor Loucks

Edited By Trevor Loucks

Founder & Lead Developer, Dynamoi

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In einer juristischen Kehrtwende mit „verbrannter Erde“ hat X Corp. seinen Kampf mit der Musikindustrie von einem Urheberrechtsstreit zu einem bundesweiten Kartellkrieg eskaliert. Am Freitag, dem 9. Januar 2026, reichte die Plattform, die früher als Twitter bekannt war, Klage gegen die National Music Publishers’ Association (NMPA) und große Verlage wie Sony, Universal und Warner ein, wobei sie eine illegale Verschwörung zur Erzwingung überhöhter Lizenzvereinbarungen vorwarf.

Die beim U.S. District Court for the Northern District of Texas eingereichte Klage wirft den wichtigsten Rechteinhabern der Branche vor, als Kartell zu agieren. X argumentiert, dass die Verlage anstatt wettbewerbsorientiert zu verhandeln, einen Boykott koordiniert haben, um „überhöhte“ Gebühren zu verlangen, die über den Marktüblichkeiten liegen.

Die „Erpressungs“-Theorie

Im Kern der 53-seitigen Klageschrift (Fall 3:26-cv-00047) steht der Vorwurf, dass die NMPA den Digital Millennium Copyright Act (DMCA) „bewaffnet“ hat. X behauptet, dass der Branchenverband eine Flut von Löschmitteilungen orchestriert hat, nicht um Piraterie einzudämmen, sondern um den Betrieb der Plattform zu überlasten und eine Einigung zu erzwingen.

Wichtige Datenpunkte aus der Einreichung:

  • Die Kampagne zielte auf über 200.000 Beiträge ab.
  • Ungefähr 50.000 Benutzerkonten wurden gesperrt.
  • X behauptet, viele Mitteilungen seien „unbegründet“ oder strategisch platziert gewesen, um maximalen betrieblichen Schaden anzurichten.

X’s Rechtsabteilung argumentiert, dass dies eine „Weigerung zur Geschäftsaufnahme“ gemäß dem Sherman Act darstellt, wodurch der Plattform die Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes entzogen werden, auf dem Verlage normalerweise um die Verbreitung konkurrieren würden.

Strategisches Gegenschlagfeuer

Diese Kartellrechtsklage ist eine direkte taktische Reaktion auf die eigene juristische Offensive der NMPA. Im Jahr 2023 verklagte die NMPA X auf über 250 Millionen USD Schadensersatz und argumentierte, dass es die einzige große soziale Plattform sei, die sich weigert, für Musiklizenzen zu zahlen. X hat Teile dieser Klage abgewehrt, sieht sich aber weiterhin mit Ansprüchen wegen Beihilfe zur Urheberrechtsverletzung konfrontiert.

Die neue Einreichung formalisiert X’s „Maximum Pain“-Theorie, die während der Beweisaufnahme im Urheberrechtsfall aufkam. X’s Anwälte behaupten, interne Dokumente zeigten, dass NMPA-CEO David Israelite die Löschkampagne speziell anwies, um X unter Druck zu setzen, anstatt bestimmte Werke zu schützen. Indem X dieses Verhalten als wettbewerbswidrig brandmarkt, versucht es, das Blatt zu wenden: die Weigerung zur Lizenzierung in einen Standpunkt gegen Preisabsprachen zu verwandeln.

Wichtige Erkenntnis: X versucht, die juristische Hülle des Branchenverbands zu durchbrechen und argumentiert, dass die Koordinierung der Durchsetzung durch Wettbewerber (Verlage) über eine zentrale Stelle (NMPA) aufhört, Lobbyarbeit zu sein, und zu einem Kartell wird.

Die juristische Schutzmauer durchbrechen

Um erfolgreich zu sein, muss X die Noerr-Pennington-Doktrin umgehen, die Parteien normalerweise vor Haftung nach dem Kartellrecht schützt, wenn sie Gerichte oder die Regierung anrufen – einschließlich der Einreichung von Klagen und dem Versenden von DMCA-Mitteilungen.

X’s Strategie stützt sich auf die Ausnahme der „Scheinprozesse“. Sie müssen nachweisen, dass die Durchsetzungsmaßnahmen der NMPA objektiv unbegründet waren und lediglich als Vorwand dienten, um das Geschäft von X zu stören. Dies spiegelt Argumente wider, die Pandora vor einem Jahrzehnt erfolgreich gegen ASCAP und BMI vorbrachte, als das Gericht feststellte, dass Verlage sich verschworen hatten, digitale Rechte zurückzuziehen, um die Sätze künstlich in die Höhe zu treiben.

Risiken der kollektiven Verhandlung

Für die Musikindustrie stehen die Einsätze weit über unbezahlte Tantiemen von einer einzigen Plattform hinaus. Sollte X’s Klage Anklang finden, bedroht dies das Modell der kollektiven Durchsetzung.

Das Risiko: Wenn Massen-DMCA-Kampagnen als potenzielle Kartellrechtsverstöße eingestuft werden, könnten Rechteinhaber zögern, Urheberrechte im großen Umfang durchzusetzen. Dies würde effektiv die „Safe Harbor“-Verteidigung für Tech-Plattformen stärken und es für Verlage kostspieliger und riskanter machen, nicht autorisierte Inhalte zu überwachen.

Die Fragmentierungsgefahr: Ein Sieg für X könnte Verlage zwingen, streng individuell zu verhandeln, um den Anschein der Absprache zu vermeiden. Dieses „Teile und Herrsche“-Ergebnis würde wahrscheinlich die gesamten Lizenzgebühren senken und die Verwaltungskosten für Rechteinhaber erhöhen.

Vorläufig bleibt X ein „Aussteiger“ in der sozialen Musikwirtschaft – unlizenziert und prozessfreudig –, während Songwriter weiterhin auf Einnahmen von einer der weltweit bekanntesten Gesprächsplattformen warten.